Blog "Coming-out in Newtown, Sydney": Beitrag 4

Dienstag, 20. Juli

 

Kurz vor sieben Uhr Ortszeit:

Nachdem bei Immigration alles gut geklappt hat, Gott sei

Dank auch mein Gepäck wohlbehalten angekommen ist, setze ich mich in ein Taxi

und fahre in die Innenstadt.

 

Sydney begrüßt mich erst einmal mit einem Regenguss.

Hoffentlich kein schlechtes Omen. Auf der Fahrt ins Hotel habe ich zum ersten

Mal Gelegenheit, die erwachende Stadt und ihre Bewohner zu beobachten. Es ist

alles noch überwiegend ruhig, da es ja zugegebenermaßen noch sehr früh am

Morgen ist.

 

Im Hotel angekommen, holt mich erst einmal die Realität ein.

Das Wort Hotel ist nämlich definitiv übertrieben. Backpacker Hostel

ist wohl der treffendere Ausdruck. Mein Zimmer ist ungefähr sechs Quadratmeter

groß, hat ein für mich zu kurzes Bett aus Metall, das dazu noch wackelig ist

und enthält einen weißen Plastikstuhl, der aber immerhin stabil zu sein

scheint. Und einen – siehe da – funktionierenden Ventilator. Naja, einladend sieht anders aus, aber zumindest scheint es keine Ungeziefer im Zimmer zu geben. Doch die Bettwäsche lässt mich schütteln, sie könnte durchaus etwas sauberer sein. Und auf die aufgestickte

britische Flagge hätte ich ebenfalls gut verzichten können. Warum sie nur den

britischen Union Jack benutzt haben? Ich bin doch in Australien! Im Internet

sah das alles definitiv wesentlich hübscher aus, aber immerhin, die Unterkunft

ist nicht teuer. Einen Tod muss man halt sterben.

 

Das Publikum, das hier verkehrt und das ich bisher gesehen

habe, ist, wie soll ich sagen etwas „strange“. Insgesamt schwierig zu

beschreiben. Man kann fast sagen, dass deren Klamotten aussehen als kommen sie weit aus dem letzten Jahrtausend. Irgendwie scheint der Gammellook angesagt zu sein.

 

Zumindest aus Sicht eines Jungen aus der deutschen Provinz. Ich muss mich wohl

auch erst einmal an das neue Umfeld gewöhnen, sehe das alles ja schließlich zum

ersten Mal. Will mich auch nicht beklagen und motzen. Das Deutsche hinter mir

lassen.