Blog "Coming-out in Newtown, Sydney": Beitrag 18

  

 

Als ich mir die drei Wohnungen angesehen hatte, habe ich mich

in Newtown von vornherein am wohlsten gefühlt. Kann das gar nicht genau

beschreiben. Ich bin die King Street von der Uni nach unten gelaufen und fühlte

mich gleich – auch wenn es schwer zu glauben ist – zu Hause. Newtown ist sehr

international, was aber nicht nur an den vielen Studenten liegt, die hier

wohnen. Es strahlt für mich ein kosmopolitisches Flair aus, weil jeder, der

hier rumläuft, besonders individuell sein will. Man spürt eine enorme Toleranz

allem vermeintlich Andersdenkenden gegenüber, was mich enorm anzieht. So sieht

man Künstler, Hippies, Gothic Anhänger, Schwule/Lesben und Alternative alles

auf einmal in einem harmonischen Miteinander – so hat es jedenfalls auf mich

den ersten Eindruck gemacht. Kann es gar nicht erwarten, meine Zelte hier

endlich aufzuschlagen.

 

 

Sonntag, 1. August

Heute war ich mit ein paar anderen Stipendiaten meiner

Stiftung unterwegs, darunter auch Barb. Wir haben uns eine Ausstellung in den

FOX Studios und danach ein Stadion – den Sydney Cricket and Sports Ground -

angesehen. Diese befinden sich im Moore Park, östlich von Surry Hills. Beides

war sehr interessant.

 

Mit Barb bin ich dann nach Newtown mit dem Bus gefahren und wir waren dann noch zusammen was Essen. Dabei wollten wir uns eine Flasche Wein bestellen. Der Ober teilte uns mit, dass sie keinen ausschenken dürfen. Im ersten Moment dachte ich, hier ist bestimmt irgendwo eine verstecke Kamera. Schließlich waren wir in einem gutenitalienischen Restaurant und es kann doch nicht sein, dass es hier keinen Pinot Grigio gibt. Uns wurde daraufhin erklärt, was BYO ist. Die Abkürzung steht für Bring Your Own und ist besonders in Australien und England geläufig. Meist wird diese „Botschaft“ auf einem Schild vor dem Restaurant montiert. Dieses signalisiert dem Gast, dass er seine alkoholischen Getränke zum Essen selbst mitbringen muss. Die Lizenzen zum Ausschenken von Alkohol sind in Australien sehr teuer und dadurch verzichten viele Restaurants komplett darauf. Sie erhalten lediglich ein Korkgeld von ein paar Dollar, wenn die Gäste einen Wein selbst mitbringen. Das muss so schon lukrativer sein, sonst würde dieses mir doch recht kompliziert erscheinende System nicht Aufrecht erhalten bleiben. Wir jedenfalls verzichteten an diesem Abend auf den Wein, weil es uns zu viel Aufwand war, nach einem nahegelegenen Liquor Store Ausschau zu halten. Denn nur in diesen – und nicht wie bei uns in Supermärkten - kann man den gewünschten Alkohol kaufen. Und ein solcher ist nicht zwingend immer gleich um die nächste Ecke.