Blog "Coming-out in Newtown, Sydney": Beitrag 13

 

Montag, 26. Juli

Abends zehn Uhr: Ein weiterer Tag ist zu Ende und dieser

verging schon wieder wie im Flug - wie so viele davor.

 

Heute habe ich mich intensiv um eine Wohnung bzw. ein

Zimmer bemüht. Nicht wirklich was gefunden, aber immerhin

habe ich morgen einen Besichtigungstermin. Ansonsten noch ein

bisschen Shoppen gewesen und mit ein paar Internationals Café

getrunken. Danach Kassensturz gemacht –ich sage nur: oh je!

Wo soll das alles noch hinführen?

 

Morgen fängt die Uni dann richtig an. Ich werde die ersten

inhaltlichen Kurse haben. Danach will ich noch zum Sport und abends steht ein

Treffen mit anderen Studierenden auf dem Plan.

 

Dienstag, 27.Juli

So langsam aber sicher scheine ich hier meine Kritikwochen

zu bekommen. Wahrscheinlich nicht verwunderlich: You can get the boy out of

Germany, but you can't get Germany out of the boy.

 

Jedenfalls wundert es mich nicht mehr, dass das deutsche

Bildungssystem den Bach runtergeht. An dieser Uni hier ist der ganze Aufbau

total strukturiert und man merkt, dass etwas Fundiertes dahintersteckt: Deren

vier Leistungsnachweise werden hier erwartet – zwei Klausuren, eine Hausarbeit

und ein Referat. Und zwar in JEDEM Kurs! In Deutschland muss man beispielsweise

in den Fächern Betriebs- oder Volkswirtschaft am Ende des Semesters einer

Veranstaltung EINE Klausur schreiben. Offen gesagt, das bedeutet, der

Durchschnittsstudent lernt das ganze Semester lang nichts und hämmert sich am

Ende den ganzen Stoff für die einzige Klausur des Semesters rein, um ihn dann

gefüllte zwei Minuten nach Abgabe derselben wieder zu vergessen. Das wird hier

also eine Nummer anspruchsvoller und damit kein Selbstläufer. Da werde ich

einiges an Zeit für die Uni investieren müssen. Einen gewissen Ehrgeiz habe ich

dann doch noch - will mich schließlich auch hier an der Uni beweisen.